Das Bild zeigt ein Schild im alten Elbtunnel mit der Aufschrift Wagerecht auf 20 Meter, fällt 1:100 auf 150 Meter

Der neue Alte

Es war einfach zu viel los auf der Elbe, Ende des 19. Jahrhunderts, deshalb mussten Mittel und Wege gefunden werden, den Verkehr zu entzerren. Der Hamburger Hafen prosperierte und die Werften auf Steinwerder mussten von den Arbeitern, oft Tagelöhnern, erreicht werden können. 1895 waren es 20.000 Werft- und 25.000 Hafenarbeiter, die sich täglich in dem Gebiet bewegten. Manche von ihnen verdienten so schlecht, dass sie sich die 1888 gegründeten HADAG-Hafenfähren nicht leisten konnten. Trotzdem konnten diese schon bald den Andrang nicht mehr bewältigen.

Das Bild zeigt den Alten Elbtunnel von außenAlso musste eine Möglichkeit geschaffen werden, den Fluss auch zu Fuß oder per Fuhrwerk oder gar Auto überqueren zu können. Alternativ zum Tunnelbau war im Gespräch, eine bewegliche Brücke oder eine Hochbrücke zu bauen. 1901 fiel die Entscheidung zugunsten des Tunnels, 1907 wurde mit dem Bau begonnen, der 1911 für Fußgänger, Pferdefuhrwerke und Kraftfahrzeuge eröffnet wurde.

Laut Wikipedia waren insgesamt etwa 4400 Arbeitskräfte eingesetzt, von denen drei durch Caisson- oder auch Taucherkrankheit und zwei bei einem Unfall ums Leben kamen. „Die Baukosten betrugen 10,7 Millionen Mark. Auf das Jahr 1911 bezogen entspricht dies heute inflationsbereinigt einer Summe von 61,6 Mio. Euro.“

In dem Eintrag ist zu lesen: „Er galt bei seiner Eröffnung als technische Sensation, steht seit 2003 unter Denkmalschutz und wurde am 7. September 2011 von der Bundesingenieurkammer und der Hamburgischen Ingenieurkammer-Bau mit dem Titel Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.“

Es ist nicht wirklich überraschend, dass er mehrfach als Filmkulisse genutzt wurde, quasi selbstredend bei TV-Serien wie „St. Pauli Landungsbrücken“ oder „Großstadtrevier“, aber auch bei  dem Spielfilm „Absolute Giganten“ und sogar bei internationalen Produktionen wie „Der amerikanische Freund“.

30 Jahre Sanierung

Das Bild zeigt die Oströhre des Alten Elbtunnels; zu sehen sind eine Straße mit Bordstein auf beiden Seiten und LichtreflektionenNoch ist sie nicht ganz abgeschlossen, die Restaurierung des Alten Elbtunnels, sehenswert ist er dennoch allemal. Seit April 2019 ist die Oströhre der Öffentlichkeit zugänglich, die Weströhre soll 2024 eröffnet werden, nach insgesamt 30 Jahren Sanierung. Die Gesamtkosten werden sich vermutlich auf ca. 60 Mio. € belaufen.

Es wird gleich imposant, sobald die Fahrstuhltüren sich tief unten im Schacht öffnen. Auch wenn derzeit die Pracht des historischen Bauwerks nur durch Netze bewundert werden kann, die wegen der noch andauernden Bauarbeiten gespannt sind. Die Oströhre beleuchtet taghell wahlweise den Weg von den St. Pauli Landungsbrücken zur Elbinsel Steinwerder – oder andersrum. Am Eingang in St. Pauli kann jedoch auch die Treppe genutzt und somit die ursprüngliche Bausubstanz aus nächster Nähe bestaunt werden.

Ein Spaziergang durch die Oströhre ist sehr empfehlenswert. Aber Achtung – es gelten die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO): Hinzus (von St. Pauli aus) den Bordstein rechts benutzen, zurück den linken. Der Fahrstreifen in der Mitte ist Fahrrädern vorbehalten; und die wechseln mit überraschender Geschwindigkeit die Elbseiten.

Barrierefreiheit:

Die Fahrstühle sind barrierefrei zugänglich, der Vorraum im Tunnel ist ebenfalls barrierefrei, allerdings sind die Bordsteine im Tunnel nicht abgestuft.

Text und Fotos: Birgit Gärtner

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