Historischer Exportschlager

Die berühmteste mechanische Orgel der Welt, die Arp-Schnitger-Orgel in der St. Pankratius-Kirche im Hamburger Stadtteil Neuenfelde, lockt Besucher von nah und fern an. Die Orgel wurde 1688 von dem in Neuenfelde lebenden größten Orgelbaumeister Nordeuropas, Arp Schnitger, erbaut. Insgesamt baute der Meister mehr als 100 Orgeln, die weit über die Grenzen des kleinen Ortes berühmt waren und sogar nach England, Russland, Spanien, Portugal und Brasilien exportiert wurden.

Heute sind auf der ganzen Welt nur noch 30 davon erhalten. Darunter die in Neuenfelde, die kürzlich aufwändig und denkmalgerecht restauriert wurde, von daher sogar noch im konzerttauglichen Zustand ist und jeden Sonntag sowie bei zahlreichen Konzerten zum Einsatz kommt.

Die Folgen der Sturmflut

Das Alte Land überstand mehrere Flutkatastrophen und auch die von Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts verhängte Kontinentalsperre. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde mit der Spirituosen-Herstellung begonnen, das Obst wurde dann auch nach England geliefert.

Das Gebiet ist in drei Meilen aufgeteilt, von denen zwei zu Niedersachsen und eine zu Hamburg gehören, die Stadtteile Neuenfelde, Cranz, Francop und Moorburg.

Das erwähnte, vor etwa 320 Jahren im Barock-Stil errichtete Gotteshaus in Neuenfelde bot im Laufe der Jahrhunderte den dort lebenden Menschen häufig Schutz vor Naturkatastrophen, zuletzt bei der großen Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962.

Der heutige, etwa 8 m hohe Deich entstand nach dieser Flutkatastrophe. Ausläufer des amerikanischen Hurricans „Vicinette“ fegten damals mit mehr als 280 km/h über das Meer. Um 1.15h gaben die Deiche in Neuenfelde und Altenwerder nach. In kurzer Zeit brachen die Deiche an mehr als 50 Stellen. Um 2.30h schwappte das Wasser der Elbe in die Alster, um 3.30h stand etwa 1/6 Hamburgs unter Wasser. In dieser Nacht starben 317 Menschen, 25.000 Haustiere kamen in den Fluten um und 20.000 Menschen in Hamburg, insgesamt 60.000 in der Hansestadt und in der näheren Umgebung, wurden obdachlos. Als Folge dieser Naturkatastrophe wurden die Deiche erhöht und hielten den großen Sturmfluten 1976 und 1990 stand.

Veränderungen durch den Ausbau der Airbus-Startbahn

Der Ort Neuenfelde lebt wie die meisten im Alten Land vom Obstanbau. Das Bild wird geprägt von wunderschönen alten Bauernhäusern. Der Turm der St. Pankratius-Kirche überragt dieses Idyll. Als um die Jahrtausendwende die Pläne für den Ausbau der Start- und Landebahn des Airbus-Werks spruchreif wurden, bangten die Menschen um ihren Kirchturm. Die Befürchtung war, dass er den damit verbundenen Vibrationen der Erde nicht gewachsen sein würde. Glücklicherweise hat sich diese Befürchtung nicht bestätigt, die Kirche, mitsamt  Turm, steht noch – und zwar offen für alle Interessierte, die entweder wegen des wunderschönen historischen Instruments oder der Spiritualität, oder wegen beidem, den Weg nach Neuenfelde finden.

Barrierefreiheit:

Grundsätzlich ist die Kirche barrierefrei, allerdings über den Zugang durch eine Nebentür. Im Gegensatz zum Hauptportal ist diese jedoch verschlossen. Sie lässt sich aber problemlos von innen öffnen. Das bedeutet allerdings, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine Begleitperson ohne Handicap brauchen, um in die Kirche zu gelangen.

Toiletten:

Es gibt vor Ort keine Toiletten.

Text  und Fotos: Birgit Gärtner

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