Seit über 25 Jahren ein Haus für Alle

 

Drei Frauen mit bunter, herumwirbelnder Kleidung beim schnellen TanzenEin ganzer normaler Vormittag im roten Klinkerbau, einer ehemaligen Polizeiwache: aus einem Raum dringen sanfte Gitarrenklänge – Nicolas zeigt seiner Schülerin die richtigen Griffe. Nebenan konferieren Anwohner mit Stadtplanern über die Neugestaltung des Eppendorfer Marktplatzes. Morgen werden an gleicher Stelle Frauen der „Eppendorfer Masche“ Nadel und Faden in Schwingungen versetzen.

 

 

 

Veranstaltungsflyer im leicht psychodelischen Stil, viel bunte Lichter und fünf tanzende Silhouetten. Textaufdruck: Global Dance Party mit DJ Matze. Dance Grooves aus aller Welt. (Und weitere Infos)

Flyer Global Dance Party, jeden 1. Samstag ab 20 Uhr im Monat

Unterdessen bereiten kreative Flüchtlinge mit deutschen Freunden eine farbenfrohe Ausstellung im großen Saal vor. Bunt wie das Kursangebot ist auch das Wochenend-Programm auf der Bühne: Regelmäßig zu Gast ist der Comedy Club Eppendorf. Seit zwei Jahren präsentiert DJ Matze jeweils am ersten Samstag im Monat eine „Global Dance Party“, manchmal mit Live-Musik. Jede*r ist willkommen. Flüchtlinge haben dabei freien Eintritt. Auch das Impro-Theater Dünnes Eis hat sich im Kulturhaus einen Namen gemacht. Kürzlich gab es einen bunten „Tag der Musik“, darunter Workshops, Chöre und ein Babykonzert. Demnächst werden die Ehrenamtlichen wieder im „Repair Café“ den Besuchern Hilfe zur Selbsthilfe geben.

Ein vierköpfiges Team kümmert sich um Kurse, Vermietung und Veranstaltungen. „Wir haben die Tradition der Bürgerhäuser aufgegriffen“, sagt Geschäftsführer Klaus Kolb; räumliche Alternativen im Stadtteil gibt es kaum. Inzwischen treffen sich unter dem Dach des Kulturhauses regelmäßig mehr als 40 Gruppen, Vereine und Initiativen. Das Haus erhält jährlich aus dem Stadtteilkulturfonds eine Förderung, dazu kommen Einnahmen durch das kleine Bistro sowie durch Eintrittskarten und Mieten.

 

Zu sehen ist ein Mann, welcher ein rotes, gerahmtes Bild in der Hand hält, auf dem ein Umzugswagen zu sehen ist. Aufdruck: "Das Kulturhaus zieht um. Zieht ihr mit?"

Klaus Kolb ist der Mann für alle Fälle: er sitzt auch in den Vorständen der benachbarten Vereine Stadtteilarchiv Eppendorf und MARTINIerLEBEN. 2018 werden alle gemeinsam in das moderne neue Zentrum Martini 44 umziehen. „Wir freuen uns auf den Neubau“, sagt Klaus. Endlich können er und seine Mitstreiter*innen die Kultur aus dem Hinterhof herausholen. Auf Haupt- und Ehrenamtliche wartet viel Arbeit für die inhaltliche Gestaltung.

 

Barrierefreiheit
1989 wurde das Kulturhaus im Julius-Reincke-Stieg nach langem Umbau eingeweiht. Während der Arbeiten kamen die Autonomen Jugendwerkstätten zum Zuge. Die jungen Arbeitslosen bauten hinter dem Gebäude eine Zufahrt für Mobilitätsbeeinträchtige. Klaus Kolb: „Die Rampe ist 20 Meter lang und hat ein Gefälle von 5 %.“ Vereinsmitglieder schweißten in Eigeninitiative das Geländer mit fachkundiger Hilfe in der damals im Kulturhaus vorhandenen Metallwerkstatt. Eine Automatik-Tür sowie ein Behinderten-WC ergänzen seitdem das Angebot. 1990 konnte der erste Rollstuhlfahrer die Rampe nutzen. Auch im neuen Zentrum Martini 44 wird für Barrierefreiheit gesorgt: Für Rollifahrer wird es eine Hebebühne geben, um in den großen Saal zu kommen. Hörbehinderte werden durch Induktionsschleifen unterstützt, Sehbeeinträchtigte durch eine farblich-optimierte Wegeführung.
Text: Hans Loose. Fotos: Kulturhaus Eppendorf

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