Das Bild zeigt Paddelboote in verschiedenen Farben, gelb, rot, blau, grün und türkis

Sportliche Betätigung soll Menschen mit Handicap neuen Lebensmut geben

Das Bild zeigt das Eingangsschild von Paddel Meier und eine Informationstafel unter BäumenDie Diagnose „Querschnittlähmung“ ist ein herber Schicksalsschlag für alle Betroffenen. Deshalb ist es wichtig, dass die Betreuung nicht nur medizinische, sondern auch psychologische Unterstützung bietet.  Das Reha-Programm im „Berufsgenossenschaftlichen Klinikum“ Boberg (BG Klinikum) umfasst daher auch sportliche Aktivitäten, denn längst wurde erkannt, dass Sport neben der körperlichen Betätigung vor allem einen großen Effekt auf die psychische Verfasstheit der Betroffenen hat: Ihnen wird bewusst, dass ihr Leben mit der Diagnose nicht zu Ende ist.

Im Laufe der Zeit wurde in Boberg ein breites Angebot entwickelt, in dem auch Wassersport eine Rolle spielt. U.a. können Betroffene die Grundlagen erlernen, richtig mit einem Kajak umzugehen – auch die Das Bild zeigt einen Baum, Gras und dahinter die Gose Elbeberühmte Eskimo-Rolle, falls das Boot mal kentert.  Trainiert werden die Patientinnen und Patienten im BG Klinikum u.a. von Edina Müller, ihres Zeichens Paralympics-Siegerin im Rollstuhlbasketball und Weltmeisterin im Einer-Kajak. Ihre Erfolge dürften ihre Sportschülerinnen- und schüler vermutlich tüchtig anspornen.

Vielleicht entstand so der Wunsch, in freier Natur in die Praxis umsetzen zu können, was im geschützten Rahmen der Unfall-Klinik erlernt wurde. Da kam „Paddel Meier“ ins Spiel, die Boberger Klinik ging eine Kooperation in Kirchwerder ansässigen Kanu-Verleih ein.

Unternehmungslustige Schwestern

Betreiberin Marion Meier und ihre Schwester Tina haben selbst so manche Barriere überwunden. Das liegt scheints in der Familie, denn schon ihre Urgroßmutter Hertha Meier fuhr 1927 mit einem Faltboot Das Bild zeigt eine Holztafel mit der Inschrift Boat Rentals Shark Feedingvon Hamburg nach Kopenhagen. Zu ihrer Zeit völlig ungewöhnlich für eine Frau.

Zunächst zog es die Schwestern jedoch auf die Räder: Tina Meier startete vier Mal mit dem Motorrad bei der Rallye Dakar, Marion fuhr alleine von Hamburg in den Senegal. Als „Dirt Girls“ gewannen sie bei Motorrad-Rennen mehrere Pokale. Tina Meier bietet aufgrund dieser Erfahrung Frauen-Coachings mit Motorrad in der Sahara an, um „das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen zu stärken“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem Portrait über die Schwestern schreibt. Marion Meier übernahm den in den 1970ern von ihren Eltern gegründeten Bootsverleih.

„Mädchen werden zu Bescheidenheit und Zurückhaltung erzogen“, zitiert die FAZ Tina Meier. „Das seien limitierende Muster, die nicht fürs Leben taugten. ´Poesiealben-Sprüche bringen uns nicht weiter`.“

Das Bild zeigt einen Kiosk mit Eisreklame und daneben PaddelbootePaddelnd Grenzen überwinden

Bei Paddel-Meier wird Menschen im Rollstuhl die Möglichkeit der eigenständigen Nutzung der Boote ermöglicht. Dafür wurde ein spezieller Hebewagen entwickelt, der den Einstieg ermöglicht. Das ist ein allerdings ein kleiner Kraftakt, den Marion Meier dann absolviert: Auf den Hebewagen wird ein Boot aufgesattelt, so dass die betreffende Person aus dem Rollstuhl in das Boot umsteigen kann wie z. B. in ein Auto. Dann wird der Hebewagen mitsamt Boot plus Passagier zu Wasser gelassen und das Boot kann eigenständig auf der Gose Elbe davon paddeln. Den Hebewagen zieht Marion Meier dann wieder an Land.
Auch die Boote sind auf den speziellen Bedarf ausgerichtet, sie sind kippstabil, haben hohe Rückenlehnen und Sitzkissen bieten Bequemlichkeit.

Dass die Mühe sich lohnt, haben zwei Kanutinnen bewiesen, die in Allermöhe trainierten und in den Kader für die Paralympics einzogen. Seit 2016 ist Parakanu eine olympische Disziplin, 2020 in Tokio will auch Edina Müller dabei sein.

Bei „Paddel Meier“ sind indes nicht nur Mensachen im Rollstuhl an der richtigen Adresse, sondern das Das Bild zeigt ein Metallgestell, auf das Paddelboote gesetzt werden, damit Menschen im Rollstuhl darin einsteigen könnenAngebot steht allen Menschen offen. Für Personen mit eingeschränkter Hörfähigkeit ist es gar kein Problem, es ist nur darauf zu achten, alle Fragen vor dem Einstig in das Kanu zu klären, denn ab dem Moment kehren die Paddelnden dem Meier-Team den Rücken zu, so dass eine Kommunikation nicht mehr möglich ist.

Für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit ist es unabdingbar, eine Begleitung mitzubringen. Das ist aber auch kein Problem, denn Paddel-Meier hält auch spezielle 2er Kanus vor.

Selbstverständlich sind auch alle anderen gern gesehen. Neben Bootsverleih gibt es auch die Möglichkeit, Stand Up Paddling (SUP) auszuprobieren. Landratten können sich einen Kaffee oder ein Eis gönnen, die hübschen Holztische in dem malerischen kleinen Garten laden zum Verweilen ein. Schleckermäulchen können eine kombinierte Tour mit Bootsausflug, Fahrradtour und anschließendem Grillbuffet in der „Wein- & Friesenstube“ in Ochsenwerder buchen, ein Traditionslokal, das mit der Zeit ging und inzwischen komplett barrierefrei ausgebaut ist, inklusive Behinderten-WC .

 

Text und Fotos: Birgit Gärtner

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