Das Bild zeigt Steine, die im Musem angeordnet sindGeschichte zeitgemäß verpackt und barrierefrei erreichbar

Das Bild zeigt eine Zeichnung des historischen StadeDas Gemäuer lebt und verströmt eine unglaubliche Atmosphäre. Es atmet, es knackt und knarrt, und hier und da ist ein Riss im Gebälk zu sehen. Und in ihm wird Jahrtausende alte Geschichte lebendig, denn seit nunmehr 4 Jahrzehnten beherbergt es das Museum „Schwedenspeicher“ Stade.

Im Jahr 1692, mehr als 40 Jahre nachdem die Stadt Schweden im Rahmen des „Westfälischen Friedens“ offiziell zugesprochen worden war, wurde mit Gründungs- und Fundamentierungsarbeiten begonnen, die 1694 abgeschlossen werden konnten. „Anschließend lag der Bau still, vermutlich aus finanziellen Gründen, aber auch aus Mangel an Baumaterial und Arbeitskräften, die für andere Bauvorhaben in der Stadt benötigt wurden“, informiert die Enzyklopädie Wikipedia.

Das Bild zeigt verschiedene HandwerkeZwar seien 1699 und 1700 insgesamt 8.000 Reichstaler bereitgestellt worden, so Wikipedia, doch der Bau erst 1703 fortgesetzt und 1704 abgeschlossen worden: „Beim Mauerwerk wurden 176.326 Steine aus dem nach 1682 abgebrochenen Schloss in Bremervörde verbaut. Ende November 1705 war auch das Erdgeschoss mit Schreibstube eingerichtet. Die Schlussrechnung aus dem Jahr der Fertigstellung belief sich auf Gesamtbaukosten von 16.354 Reichstalern.“

Diese Geschichte lehrt uns: Kostenexplosion und Zeitverzögerung bei der Fertigstellung großer Bauvorhaben sind keine neuzeitliche Erfindung, nicht der Flughafen Berlin, die Elbphilharmonie oder Stuttgart 21 haben das Patent darauf, sondern der Das Bild zeigt eine Videoinstallation an einem HolzbalkenSchwedenspeicher.

Die schwedische Militärverwaltung nutzte das Gebäude nur sieben Jahre als Speicher für Getreide, denn 1712 endete die schwedische Herrschaft. „Als Stade 1715 Teil des Kurfürstentums Hannover wurde, nutzte das hannoversche Militär den Speicher für seine Zwecke“, schreibt Wikipedia.

„1909 ging der Speicher in den Besitz der Stadt Stade über. Sie verpachtete ihn an Frachtschiffer. Mit dem Niedergang der Frachtschifffahrt in den 1960er Jahren verlor er seine Funktion und drohte zu verfallen.

In den 1970er Jahren wuchs der Wunsch, das Gebäude als Museum zu nutzen. Es wurde ab 1975 umfassend restauriert. 1976 schlossen sich der Landkreis Stade, die Stadt Stade mit dem Geschichts- und Heimatverein zu einem Trägerverein für das Museum zusammen. Als Museum wurde das Gebäude am 30. November 1977 mit einer Sonderausstellung über die Wikinger eröffnet.“

Das Bild zeigt Hopfen, Malz und Bier im GlasDer alte Kasten hat also mehrere Hundert Jahre auf dem Buckel, der Inhalt ist größtenteils noch viel älter. Trotzdem ist der „Schwedenspeicher“ up to date: Auf klassische Stilmittel wird ebenso gesetzt wie auf zeitgemäße technische Innovationen. „Interaktiv“ heißt das Zauberwort. So soll erreicht werden, dass jung und alt sich gleichermaßen angesprochen fühlen. Das Konzept wurde so überzeugend umgesetzt, dass das Land Niedersachsen den „Schwedenspeicher“ 2013 als „bestes Museum“ auszeichnete.

Vor einigen Jahren wurde der „Schwedenspeicher“ barrierefrei ausgebaut – obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität steht seitdem ein Fahrstuhl zur Verfügung,  Menschen mit akustischen Einschränkungen können von der Ringschleife Das Bild zeigt den Eingang des MuseumsGebrauch machen. Auf allen Ebenen laden gemütliche Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein.

Kleinere Menschen können in Höhlen auf Entdeckungstour gehen oder sich als Erfinder oder Monteurin betätigen. Das Beste daran: Bis zum 18. Geburtstag ist der Eintritt frei. So sollen Familien entlastet sowie Kinder und Jugendliche animiert werden, sich Geschichte anzueignen. Sozialtarife machen auch großen Leuten mit kleinem Geldbeutel einen Museumsbesuch erschwinglich. Bei Bedarf steht auch ein museumspädagogischer Dienst zur Verfügung, der ist allerdings kostenpflichtig.

Denkmalschutz erschwerte Umgestaltung

Das Bild zeigt altes Gebälk „Eigentlich“ erzählt Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade, „sollte die Erschließung über das Haupttreppenhaus erfolgen. Meiner Ansicht nach widerspricht es dem Inklusions-Konzept, wenn Menschen mit eingeschränkter Mobilität einen separaten Eingang benutzen müssen.“ Dieser Anspruch ließ sich in der Praxis leider nicht umsetzen. Dank der Denkmalpflege, denn das alte Gebäude steht natürlich unter Denkmalschutz. Deshalb bestand die Kunst darin, den barrierefreien Zugang so zu gestalten, dass das historische Gebäude nicht darunter leidet. Die Lösung brachte ein gläserner Fahrstuhl, der völlig frei steht. Eine gute Lösung, der schon von außen sichtbar macht, dass der scheinbare Gegensatz, Historie versus Moderne, praktisch wunderbar vereint werden kann. Der Fahrstuhl wirkt, als hätte er schon immer dazugehört. Genau wie die moderne Technik in der Ausstellung, mit der die Gäste sich der wechselhaften Geschichte Stades annähern können.

Noch etwas war beim Umbau wichtig, so Möllers: „Die Substanz des Denkmals und die Ausstellung voneinander zu trennen.“ Im Ergebnis wirkt beides für sich, sowohl das wunderschön sanierte Gebälk, bei dem dicke Bolzen schon mal nachhelfen, dass es auch wirklich hält, als auch die abwechslungsreiche Präsentation. Trotzdem wirken sie wie eine miteinander verschmolzene Einheit.

Dass beim Umbau auch eine Ringschleife eingerichtet wurde, ist einem Zufall zu verdanken: Als Möllers sich Gedanken über die praktische Umsetzung machte, gründete sich der Verein Hören ohne Barrieren e.V. (HöB). Die Mitglieder gaben dem Museumsleiter den Tipp, der, wie sich herausstellte, ganz einfach umzusetzen war.

Das Bild zeigt den Fahrstuhl außen am HausWas fehlt, ist die taktile Ebene, also die Möglichkeit der haptischen Wahrnehmung. „Dieser Herausforderung haben wir uns nicht gestellt“, gibt Möllers offen zu. „Dazu habe ich mich mit dem Thema bislang zu wenig befasst. Das ist eine Aufgabe, die wir in Zukunft angehen werden.“

Barrierefreiheit:

Das Museum ist komplett barrierefrei.

Toiletten:

Ein Behinderten-WC ist vorhanden und mittels Fahrstuhl erreichbar

Text und Fotos: Birgit Gärtner

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