Das Bild zeigt den Hafen von StadeNordlicht mit Mittelmeer-Flair

Das Bild zeigt die Hafenpromenade in der Stader AltstadtDie Altstadt von Stade könnte fast als mediterran durchgehen – wenn das norddeutsche Schmuddelwetter nicht wäre. Aber genau diese Mischung macht den Reiz der Stadt aus, in der sich archäologischen Funden zufolge bereits in der Altsteinzeit Menschen ansiedelten.

Der Name „Stade“ deutet daraufhin, dass schon die historische Stadt über einen Hafen verfügt, denn seit dem 10. Jahrhundert bezeichnete „Stade“ einen Anlegeplatz für kleinere Schiffe. Um das Jahr 1000 herum wurde das entsprechende Gelände zum Hansehafen ausgebaut – so wie er bis heute weitestgehend erhalten ist. Die Stadt war Mitglied der Hanse, der Vereinigung der norddeutschen Kaufleute, die von Mitte des 12. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts bestand. Diese war nicht nur eine wirtschaftliche Vereinigung, sondern auch eine politische Macht. Bis ins 13. Jahrhundert war Stade der wichtigste Hafen zwischen Cuxhaven und Harburg.

Das Bild zeigt das Museum von außen, eine Sitzecke mit Holztisch und Bank und einen StrandkorbIm Museum „Schwedenspeicher“ ist zu erfahren, dass Stade „im Binnenhandel Umschlagplatz für Lüneburger Salz und über Braunschweig verhandelte Erze“ war und dort der „Warentransfer von Flussschiffen auf Seeschiffe“ stattfand. „Das Hauptexportgut Getreide beziehen die Stader aus dem unterelbischen Raum, Dithmarschen und Holstein. Weiterhin verhandelt Stade Bier und Holz.“

In der Braukunst vereinigte sich aus Lübeck, Rostock und Braunschweig bezogener Hopfen mit in Stade angebautem Malz. Daraus wurde vor Ort, aber auch in Hamburg Bier gebraut.

Städte entstehen

„Eine rasante Entwicklung erfasst im Hochmittelalter das Deutsche Reich“, ist auf einer Infotafel im „Schwedenspeicher“ zu lesen. „Bestehende Zentren werden ausgebaut, neue Städte gegründet. 90 Städten um die Jahrtausendwende standen 4.000 um das Jahr 1300 gegenüber. Parallel dazu verdreifachte sich die Bevölkerungszahl auf ca. 12 Millionen. Eine Herausforderung für die Bauern und die florierende Wirtschaft: Sie müssen den wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln sicherstellen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung wohnt in 3.750 Kleinstädten mit bis zu 1.000 Einwohnern. Stade gehört mit 4.000 Bewohnern um 1400 zu den typischen Mittelstädten.“

Das Bild zeigt die Skulptur einer FischerinBestehende Städte wurden massiv ausgebaut. Im 14. Jahrhundert ergriff der Bauboom auch Stade. Beispielsweise der Ratskeller wurde erstmals am 22. Februar 1305 im ersten Stader Stadtbuch als Weinkeller und Schänke erwähnt. Damit gehört er zu den ältesten Ratskellern in Deutschland.

Bis Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Altstadtfläche vollständig bebaut, einen Großteil vernichtete jedoch der Großbrand von 1659.

Bereits im 13. Jahrhundert formierte sich in Stade „ein von Bürgern geführter Rat“, ist einer anderen Infotafel im „Schwedenspeicher“ zu entnehmen: „Dominierende Gruppen in den selbstverwalteten Städten sind die Gilden und Bruderschaften. Sie übernehmen auch zahlreiche karitative und kirchliche Aufgaben. Denn trotz der Emanzipation von Adel und Kirche ist die spätmittelalterliche Gesellschaft von tiefer Religiosität geprägt. Diese steht jedoch den kommerziellen Interessen nicht entgegen. Besonders die Handler versuchen, durch den Aufbau von Netzwerken Einfluss und Wohlstand aufzubauen.“

Die Schweden in Stade

1625 zogen dänische Truppen in Stade ein, wenige Jahre später brachten die Schweden das Städtchen mit dem lukrativen Hafen in ihren Besitz, doch erst 1643 gelang es ihnen, es dauerhaft zu erobern. Im Zuge des „Westfälischen Friedens“ von 1648 wurde sie ihnen offiziell zugesprochen und Regierungssitz der Herzogtümer Bremen und Verden.

Dem großen Stadtbrand am 26. Mai 1659 fielen 2/3 der Stadt zum Opfer. Sie wurde mit unverändertem Grundriss wieder aufgebaut. Dieser Wiederaufbau prägt das Stadtbild bis heute. Vermutlich liegt es weniger an den Schweden als an den frühgeschichtlichen Einflüssen aus Mesopotamien, dass die Altstadt mit dem Hafenbecken mediterran Das Bild zeigt eine Gruppe alter Menschen mit Rollator in der Altstadt von Stadeanmutet – wenn nur das Schmuddelwetter Marke „Nordic by Nature“ nicht wäre. Doch diese Kombination ergibt ein einzigartiges nordicterranes Flair, das ausgiebig zu genießen heute zahlreiche an den Platz anrainende gastronomische Betriebe einladen.

Die Stadt ist inklusiver geworden

Die Globalisierung, Migration und Fluchtbewegungen sind auch an Stade nicht vorbeigezogen. Längst ist auch das Speisenangebot international geworden – genauso wie die Menschen, die in der schönen Stadt mit dem nordicterranen Flair leben. Zudem ist die beschauliche Altstadt ein Touristen-Magnet. Ihnen sowie den Einheimischen bietet der Touristik-Verband eine Reihe von Stadtführungen zu historischen Themen an. Eine davon beschäftigt sich mit der Geschichte des jüdischen Lebens in Stade. Diese wird anhand der verlegten Stolpersteine erzählt. Aber auch die Hanse wird in den Führungen wieder aufleben gelassen, bisweilen kehren sogar die Schweden zurück. Die Führungen können auch von Menschen mit Handicap gebucht werden. Sie werden dann entsprechend der Wünsche und Möglichkeiten der Teilnehmenden ausgestaltet und z. B. zeitlich verkürzt.

Barrierefreiheit:

Zu dem veränderten, bunteren Stadtbild gehört auch, dass der Ort auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich gemacht wurde. Ein rot gekennzeichneter Streifen auf dem Gehweg trägt dazu maßgeblich bei.

Der Bahnhof ist barrierefrei, d.h. auf allen Ebenen mit einem Fahrstuhl ausgestattet. Allerdings gilt das nicht für die Übergänge von der Plattform zur S-Bahn, bzw. dem Metronom. Wer Hilfe beim Ein- und Ausstieg in den Metronom oder die S-Bahn benötigt, sollte  sich vorher ankündigen.

Eine Reihe von Geschäften sorgt mittels Rampen dafür, dass auch die rollende Kundschaft Zutritt bekommt. Im gesamten Innenstadtbereich sind gastronomische Betriebe vom Back-Shop bis zum Restaurant zu finden. Die meisten sind ebenerdig und betreiben im Sommer Außengastronomie.

Wer sich vor dem Stadtbummel beraten lassen möchte, kann den „Behindertenführer für den Landkreis Stade“ in Anspruch nehmen.

Toiletten:

Das Bild zeigt die öffentlichen Toiletten in der Stader AltstadtDafür, dass auch Menschen mit Handicap länger in der schönen kleinen Stadt verweilen können, sorgt eine öffentliche Behinderten-Toilette. Für die Nutzung wird der „Euroschlüssel“ benötigt. Dieser ist für 20,- € beim „Club Behinderte und ihre Freunde“ (CBF) zu bestellen. Dieser Schlüssel ermöglicht Menschen mit Handicap freien Zugang zu öffentlichen sanitären Anlagen. Voraussetzung ist, dass sie einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 80 im Schwerbehindertenausweis, oder 70% plus Merkzeichen G haben. Bei Vorliegen der Merkzeichen aG, B, H, oder BL erhalten sie den Schlüssel unabhängig vom GdB.

Text und Fotos: Birgit Gärtner

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