Das Bild zeigt verschiedene Food-Trucks und viele Menschen auf einem Platz

Kulinarischer Newcomer mit Bleibeperspektive

Das Bild zeigt einen Food-Truck, an dem Waffeln verkauft werden. Auf einer schwarzen Tafel ist die Speisekarte aufgeschriebenDie Finanzkrise sei Schuld, heißt es. Viele junge, z. T. gut ausgebildete Menschen hatten plötzlich keinen Job mehr. Oder der Traum von der schnellen Karriere im Big Business nach der Uni war wie Seifenblasen zerplatzt. Also mussten sie sich etwas einfallen lassen.

Während in früheren Jahrzehnten Generationen von Akademikerinnen und Akademikern, auf die der Arbeitsmarkt glaubte verzichten zu können, Copyshops gründeten oder ins Taxi-Gewerbe einstiegen, kramten nach der Finanzkrise viele junge Menschen Omas alte Familienrezepte hervor, fingen an zu köcheln und zu werkeln und versuchten, sich unkonventionell selbst einen Arbeitsplatz zu schaffen. Die asiatische Tradition des Streetfood war die Vorlage dafür. Das wurde in der kommenden Zeit perfektioniert und auf Räder gestellt: Wer eben konnte, beschaffte sich einen fahrbaren Untersatz, der zur mobilen Küche umgebaut ein rollender Verkaufsstand wurde. Die gute alte Pommesbude bekam einen frischen Anstrich, das Angebot wurde vielfältiger, kurzum: Die Food-Truck-Szene entstand.

Das Bild zeigt einen Food-Truck, an dem Spätzle verkauft werdenUnfassbar aber wahr: das funktionierte! Zunächst in den USA, aber längst schon hat dieser Trend Europa erobert. Und – noch unfassbarer – deutsches Streetfood spielt weltweit in der Champions League.

Allerdings ist seitdem so mancher Burger über die Verkaufstheke gereicht und so manche Zukunftsvision zerstört worden: Der Konkurrenzkampf ist mittlerweile knallhart, die Ansprüche an die Food-Trucks immens hoch und die Kosten entsprechend. Aussicht auf Erfolg hat nur, wer entweder an ein Restaurant angebunden ist oder aber hauptsächlich auf Catering setzt – oder z. B. das Glück hat, mehrfach die Woche die Belegschaft einer bestimmten Firma verköstigen zu dürfen.

Die Food-Truck-Markets, wie z. B. die Street-Food-Session auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli, dienen in erster Linie dazu, Kundschaft für das Catering zu akquirieren.

Das hat für die Besucherinnen und Besucher den ganz simplen, aber delikaten Effekt, dass die einzelnen Food-Trucks auf den Märkten unter dem Zwang stehen, Qualität und Geschmack anbieten zu müssen. Und viel Phantasie. Es gibt quasi nichts, was es auf Food-Truck-Markets oder Festivals nicht gibt: Burger, vegane Speisen, pulled pork, Cêpes, Blinis, Tapiocas, Fish ´n Chips, Eintopf, Currywurst und Pommes. Alles, was das Familienrezeptbuch hergibt und außerdem internationale Spezialitäten.

Das Bild zeigt einen Food-Truck, an dem Spezialitäten aus Sri Lanka verkauft werdenObwohl viele der Mitwirkenden keine Ausbildung zur Köchin oder zum Koch haben, genießen sie in der Gastronomie-Branche hohes Ansehen. Die Enge in den Truck-Küchen sowie das überschaubare Speisen-Angebot, die Regel ist nicht mehr als fünf verschiedene Gerichte mit je fünf verschiedenen Komponenten, die noch dazu jeweils in verschiedenen Gerichten verwendet werden, schafft sowieso ganz eigene Spielregeln und Professionalität wird hier durch Phantasie ersetzt – und ganz viel Liebe. Und so überzeugend, dass diesem Trend eine Zukunft sicher ist. Inzwischen geht das Angebot über Speisen hinaus, angeboten wird z. B. auch Craftbeer oder ausgefallene Getränke, in der Hoffnung, dass diese das Szene-Getränk der kommenden Saison werden.

Einmal pro Woche geben die Food-Trucks der Umgebung bei der Street-Food-Session auf dem Spielbudenplatz ein Gastspiel. Die Saison beginnt im Frühjahr und endet, wenn die Food-Trucks dem Weihnachtsmarkt weichen müssen.

Barrierefreiheit:

Der Spielbudenplatz ist barrierefrei zugänglich, allerdings ist die Bar auf der Bühne nur über Stufen zu erreichen.

Toiletten:

Eine barrierefreie Toilette gibt es in der Nähe nicht.

Text und Fotos: Birgit Gärtner

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