Das Bild zeigt Rosen in verschiedenen Rot- und Cremetönen

Region mit langer Tradition

Die Vier- und Marschlande sind ein 13.163 ha umfassendes Gebiet im Bezirk Bergedorf, in dem knapp 28.000 Menschen leben. Das Gebiet besteht insgesamt aus 12 Stadtteilen. Die Marschlande – Allermöhe, Billwerder, Moorfleet, Neuallermöhe, Ochsenwerder, Reitbrook, Spadenland und Tatenberg – gehören seit dem späten 14. Jahrhundert zum Hamburger Stadtgebiet. Die Vierlande – Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme – standen bis 1867 unter gemeinsamer Verwaltung von Hamburg und Lübeck, danach.

Dieser Teil Hamburgs ist berühmt für zwei Dinge: Obst- und Gemüseanbau, vor allem die Rekultivierung alter Tomatensorten, und die Blumenzucht. Etwa jede 5. in Deutschland angebaute Rose wird in der Region gezüchtet. Vor 30 Jahren war es noch jede 3. in Deutschland verkaufte Rose, doch die einheimische Zucht wurde mittlerweile größtenteils von Importen aus Kenia oder Kolumbien verdrängt.

Ursprünglich wurde primär Gerste angebaut für die Bierproduktion im nahen Hamburg, seit 1693 die als „Vierländer Praline“ bekannte Erdbeere. Noch heute wird jedes Jahr im Juni im Museum „Rieck Haus“das „Vierländer Erdbeerfest“ gefeiert.

Außerdem sind die Vierlande weit über die Grenzen Hamburgs bekannt durch die KZ Gedenkstätte Neuengamme.

Das Bild zeigt eine historische EisenbahnWas aber kaum jemand weiß: Die Region ist schnell erreichbar und für stressgeplagte Großstadtmenschen ein Naherholungsgebiet par excellence.  Sie bietet großartige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Spontanurlaub für einen Tag, für alle, die einfach mal aus dem Alltag aussteigen möchten, oder auch für ein Wochenende, Spaziergänge in der malerischen Elblandschaft, sportliche Aktivitäten, Einkauf auf dem idyllischen Wochenmarkt in Bergedorf, Kaffeeklatsch in einem der vielen charmanten Cafés, Besichtigung von  Windmühlen oder Museen, bis hin zur schweren Kost, der KZ Gedenkstätte Neuengamme.

Die Region ist ein Erlebnis zu Lande, z. B. mit den HVV-Bussen, im Sommer mit den Oldtimerbussen oder der Dampflok „Karoline“, zu Wasser mit den Schiffen der Bergedorfer Schifffahrtslinie und in der Luft, in Boberg heben Ballons ab.

Barrierefreiheit

Allerdings, und das ist eindeutig ein großes Manko, ist die Auswahl an barrierefreien Angeboten sehr überschaubar. Die Museen und Denkmäler sind nur über Stufen zu erreichen, die meisten sogar über steile Treppen, wie auch die Hofläden und Cafés. Einige sind zwar barrierefrei, oder haben zumindest barrierefreie Außengastronomie, dafür fehlt eine behindertengerechte Toilette. Oder umgekehrt. Der Grund dafür sind in den meisten Fällen die baulichen Gegebenheiten der denkmalgeschützten Objekte.

Die Schiffe der Bergedorfer Schifffahrtslinie können problemlos Rollstühle befördern, aber die dazu gehörigen Menschen gelangen nur über Stufen an Deck. Die Museumseisenbahn und die Oldtimerbusse sind überhaupt nicht auf Publikum mit Mobilitätseinschränkungen eingestellt.

Andererseits gibt es uneingeschränkte Bewegungsfreiheit an Orten, wo es nicht vermutet würde: So ist es z. B. problemlos möglich, einen Angelschein zu erwerben, auch für Menschen mit eingeschränkter Seh- oder Hörfähigkeit, oder sich ein Paddelboot auszuleihen.

Das Bikld zeigt die Rampe zum Eingang des HauptgebäudesDie KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist sogar vorbildlich, was die Barrierefreiheit angeht: Lange Rampen und Fahrstühle ermöglichen allen Besucherinnen den Zugang zu allen Ausstellungsteilen mit Ausnahme einer Ebene, der Audio-Guide kann mit einer Induktionsschleife verbunden werden und spezielle Führungen in Gebärdensprache oder auch für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit können gebucht werden.

Die Region zwischen Bergedorf und Geesthacht ist an das Verkehrsnetz des HVV angebunden. Der Bahnhof Bergedorf ist barrierefrei erschlossen. Sowohl der ZOB als auch die S-Bahn-Stationen als auch die Fernbahnen sind per Rolltreppe und Fahrstuhl erreichbar.

Der HVV betreibt zwar überwiegend Niederflurbusse, die alle über eine ausklappbare Rampe verfügen, wer aber einen Ausflug plant, ist gut beraten, sich vorher zu erkundigen. Problematisch ist, dass an vielen Haltestellen der Ausstieg direkt auf die Straße führt.

Die Busse bieten eine wunderbare Möglichkeit, die reizvolle Landschaft zu erkunden. Eine der schönsten Busstrecken der Stadt, die Linie 124 (Niederflurbus mit ausklappbarer Rampe), führt von Bergedorf über Kirchwerder, entlang der Elbe, vorbei am Zollenspieker Fährhaus bis zum ZOB in der Innenstadt. Wer also einfach mal raus möchte, kurz durchatmen oder weil ihr oder ihm die Decke auf den Kopf fällt, braucht nicht mehr als ein HVV-Ticket. Dazu bedarf es keine großartigen Vorbereitungen, keine Begleitung, falls niemand Zeit hat – oder es vielleicht auch niemanden gibt, mit der oder dem derartige Unternehmungen geplant werden können.

Text und Fotos: Birgit Gärtner

 

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