Das Bild zeigt verschiedene Gewürze in Säcken auf einem orientalischen Markt
Gewürzstand im Kapalı Çarşı (Großer Basar) Istanbul/Foto: Pixabay

Jahrtausende alte Tradition:

Wochenmärkte als Ort des Handels und der Entspannung

Hätten Sie das gedacht?

Hamburg ist die Stadt mit den meisten Wochenmärkten in ganz Europa. In fast jedem Hamburger Stadtteil gibt es einen Wochenmarkt, manchmal einmal pro Woche, manchmal mehrfach, manchmal mit einem speziellen Angebot wie z. B. ausschließlich Bio-Erzeugnisse. Zu erstehen sind Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Blumen und Pflanzen aus der Region, aber auch internationale Spezialitäten und Produkte, die auf dem Großmarkt eingekauft wurden.

Das Bild zeigt einen Verkaufsstand, an dem Bilder mit Hamburg-Motiven angeboten werden
Isemarkt Hamburg/Foto: Birgit Gärtner

Auf einigen Märkten, z. B. beim Isemarkt laden Kunsthandwerk-Stände zum Stöbern und Staunen, außerdem wird der gute alte Ostfriesennerz feilgeboten oder spezielle Produkte, z. B. für linkshändige Menschen, und der Scherenschleifer bietet seine Dienste an. Zwischendrin wird für das leibliche Wohl gesorgt. Mal ist es die gute alte Pommesbude, mal neumodischer ein Food-Truck, mal ein mobiles Café, mal ein kleiner Zelt-Pavillon mit Spezialitäten aus der Lüneburger Heide oder Tirol. Mal müssen die Gäste sich mit Stehtischen begnügen, mal laden Tische und Stühle zum Verweilen, Klönen und Gucken ein.

Manche der Stände stehen seit Jahrzehnten jede Woche wieder an ihrem Platz, andere, z. B. die Food-Trucks, erst seit kurzem, wieder andere sind nur saisonal anzutreffen, manche allerdings kommen und gehen, weil der nächste Trend sie ablöst.

Seit Jahrtausenden betreiben die Menschen Handel. Einer der ältesten Märkte, es heißt sogar, es sei das älteste Einzelhandelsgeschäft, ist der überdachte Basar „Kapalı Çarşı“ (kapal = geschlossen) im Istanbuler Stadtteil Eminönü.

Der weltberühmte Basar ist eine Welt für sich und es gibt (fast) nichts, was es dort nicht gibt: Auf 31.000 m² beherbergt er rund 4.000 Geschäfte. Diese sind nach Branchen sortiert und im Zentrum Eski Bedesten (Alte Turnhalle)befindet sich das Gold- und Silberhandwerk. Trotz der Unterteilung ist der „Kapalı Çarşı“ ist ein riesiges Labyrinth.

Der ursprüngliche Teil wurde 1461 unter Sultan Mehmet II. errichtet und unter Sultan Süleyman (1520 – 66) weiter ausgebaut. Der Eski Bedesten war anfänglich als Schatzkammer geplant, früher war es fest verschlossen und beherbergte die besonders teuren Waren.

Der Basar ist täglich geöffnet und einer der Touristen-Magneten Istanbuls. Besonders fasziniert europäische Gäste die Kunst des Feilschens z. B. bei den Teppich-Händlern, das zum Verkaufsritual gehört.

Das Bild zeigt rote Waagen; aufgenommen wurde das Foto auf einem Basar in Kairo
Basar in Kairo/Foto: Pixabay

Doch auch die Souks z. B. in Marokko haben eine Jahrtausend alte Tradition. Überall auf der Welt wurde daraus eine Kultur, die, wie zum Beispiel in der syrischen Stadt Aleppo, sogar in Zeiten größter Not erhalten bleibt. In anderen Ländern werden z. T. auch lebende Tiere zum Kauf angeboten und Männer lassen Schlangen zu den Klängen ihrer Flöte tanzen.

Der Souk in Marrakesch ist der größte Basar in Afrika. Vor allem in ländlichen Gegenden sind Souks eine wichtige Plattform für den Austausch regionaler Produkte, aber auch importierter Waren. Üblicherweise finden sie einmal wöchentlich statt, der tägliche Souk ist eher ein Großstadtphänomen.

Das Bild zeigt orientalische Lampen, die auf dem Souk von Marrakesch zum Verkauf angeboten werden
Souk in Marrakesch/Foto: Pixabay

Die prächtigen Auslagen, die Warenvielfalt und die Farbenpracht der Märkte, Basare, Mercados, Souks überall auf dem Globus sind atemberaubend. 

Gut, auf Schlangenbeschwörer müssen wir auf Hamburgs Märkten verzichten, aber ansonsten bieten auch sie eine unglaubliche Vielfalt.  Der legendäre Altonaer Fischmarkt ist eine echte Hamburgensie und trotzdem weltbekannt; und immerhin existiert auch der seit mehr als 300 Jahren. In verschiedenen Städten finden Marktschreier-Wettbewerbe statt, in Anlehnung an das Hamburger Original.

Neben den Märkten unter freiem Himmel gibt es auch überdachte, Vorbild ist u.a. der weltberühmte Mercado „San Miguel“ in Madrid. Dort wird das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und in Anlehnung daran setzt auch der „Nachtmarkt“ in St. Pauli auf das Zusammenspiel von schnöder Lebensmittelversorgung und Event-Gastronomie – allerdings unter freiem Himmel.

Barrierefreiheit

Das Bild zeigt Verkaufsstände unter der Brückenkonstruktion der Hochbahn sowie eine Frau mit Rollator
Isemarkt Hamburg/Foto: Birgit Gärtner

Die meisten Hamburger Wochenmärkte sind an das Netz des HVV angebunden und barrierefrei zugänglich. Der HVV bietet eine Übersicht über die barrierefreien S- und U-Bahn-Stationen

Eine Übersicht über alle Märkte und deren Öffnungszeiten bietet die Webseite der Hamburger Wochenmärkte, außerdem erhalten Sie im Internet Informationen zu den Bio-Wochenmärkten sowie zum Verein Ökomarkt e.V.

Für die Marktfrauen und –männer ist es selbstverständlich, Kundinnen und Kunden mit Handicap je nach Bedarf beim Einkauf zu unterstützen.

Text und Fotos (soweit nicht anders gekennzeichnet): Birgit Gärtner

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